
Wenn Gnade neu beginnt: Taufe als Erfahrung von Heilung
Was bei uns am Barmener See geschah, war ein Fest des Glaubens und der Wiederherstellung. Acht Erwachsene – von 18 bis 68 Jahren – haben sich taufen lassen. Hinter jedem Schritt ins lauwarme Wasser des Sees stand eine eindrucksvolle Geschichte, die ernst genommen und gehört werden will. Die persönlichen Wege zur Taufe waren sehr unterschiedlich, finden aber darin zusammen, dass sie jeweils tief in der je eigenen Biografie verankert sind. Die Geschichten erzählen von Menschen, die nicht nur ins Wasser zur Taufe steigen, um ihren Glauben zu bekennen, sondern die sich in der Vorbereitung getraut haben, ihre Vergangenheit ehrlich anzuschauen, und jetzt bereit sind, neu anzufangen oder so richtig durchzustarten.
Was an diesem Tag spürbar wurde: Menschen blühen auf, wenn sie wirklich gesehen werden. Wenn jemand ihnen zuhört, ihre Geschichte ernst nimmt, ihre Verletzungen nicht kleinredet oder verharmlost. Viele Täuflinge hatten negative Erfahrungen in Gemeinden gemacht. Erfahrungen, die ihre Beziehung zu Jesus belastet haben. Das ist eine Realität, über die wir in unseren Gemeinden oft viel zu wenig sprechen.
Doch gerade deshalb war dieser Tag so kostbar, weil er sichtbar macht: Heilung beginnt dort, wo Menschen mit echter, liebender Aufmerksamkeit begleitet werden. Wo Hauptamtliche, Leitende, Paten, Freunde, Familie nicht über die Brüche hinweggehen, sondern sie ernst nehmen, mittragen und durch Gottes Liebe verwandeln lassen. Wo Glaube nicht als fromme Leistung, sondern als gemeinsame Beziehung gelebt wird.
In den Taufen haben wir miteinander gefeiert, dass Jesus wirklich neues Leben schenkt, indem er den alten in den neuen Menschen nach seinem Ebenbild verwandelt. Das war eindrücklich in den nervösen Gesichtern vor dem Untertauchen, im befreienden Lachen danach, im Applaus der Gemeinde, die unter dem Zelt am Strand mitfieberte, zu spüren und zu sehen. Wer den Satz hört, dass er von Gott gerufen, erlöst und geliebt ist, während er tropfnass aus dem Wasser steigt, spürt: Gott schreibt meine Geschichte weiter und er schreibt sie richtig gut, denn er trägt sie tief in seine Liebe ein.
Zwischen Gitarrenakkorden, Geigenklängen, Gesang und einer Predigt – über die Samariterin am Jakobsbrunnen und dem verlorenen Sohn – haben wir als Gemeinde in unserer Stadt eines deutlich gemacht: Taufe ist kein privates Ritual, sondern ein öffentliches Bekenntnis, ein Fest des Lebens, ein Geschenk Gottes an Menschen, die sich nach einem echten Neuanfang sehnen und hier erfahren. Und vielleicht ist dies das größte Wunder dieses Tages, dass Menschen, die verletzt wurden, wieder Vertrauen fassen; dass sie sich trauen, sich Gott neu zuzuwenden; dass sie erleben, wie Jesus in ein neues Leben hineinführt.
Ein Leben, das getragen ist von Erbarmen – Erbarmen, das sich nicht verdienen lässt, sondern aus lauter Güte und Freude am Menschen geschenkt ist von Gott, dem Quell ewiger Liebe.




