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Impuls
Er machte Dunkelheit zu seinem Versteck, zu seiner Hütte um sich herum, dunkle Wasser, dichte Wolken.
Psalm 18,12 (EÜ 2017, ©Katholische Bibelanstalt)

Die Bibel ist voller Worte, die das Herz berühren. Wer lange in ihr liest, sammelt Lieblingsverse. Doch abseits der vertrauten Pfade liegen die eigentlichen Entdeckungen. Für mich war das vor einiger Zeit Psalm 18,12. Gott in der Dunkelheit: Dieser Gedanke hat mich zuerst befremdet, doch dann nicht mehr losgelassen. Zwei Fragen hielten mich fest: Was heißt hier Dunkelheit? Und was bedeutet die Hütte?

Dunkelheit hat zwei Gesichter. Sie kann Finsternis sein: ein Abgrund, der sich über uns schließt, in dem wir jede Orientierung verlieren und die Angst uns die Kehle zuschnürt. Sie kann aber auch ein reizarmer Ort sein, an dem die Augen nichts suchen müssen, der Verstand nichts sortieren muss und die Seele zur Ruhe kommt. In unserem Psalmwort ist, so verstehe ich es, das Zweite gemeint.

Diesen stillen Ort macht Gott zu seiner Hütte. Das hebräische Wort meint ein Schirmdach gegen die Sonne, die Wächterhütte im Weinberg. Es meint also kein Versteck, sondern einen Schutzraum. Abgeschirmt ist er von dunklen Wassern und dichten Wolken. In beides tritt man nicht leichtfertig ein: Man sieht nicht, was unter der Oberfläche liegt, und nicht, was hinter der Nebelwand wartet. Je länger ich diesem Bild nachging, desto stärker wurde die Sehnsucht, genau dort zu sein.

In meinen Gedanken gesellten sich zwei andere Texte dazu.

„Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm" (1. Johannes 1,5). Ich malte mir aus, wie mitten in der Dunkelheit ein reines, gleißendes Licht steht, auf das hin sich alles bewegt. Da begriff ich: In Gott ist keine Dunkelheit. Sein Licht überstrahlt jedes andere so endlos, dass daneben alles verdunkelt. Und gerade diese Dunkelheit wählt er als Ort der Begegnung. Das hellste Licht findet sich in der dunklen Hütte, in der meine Seele mit ihm vereint ist und nichts sie ablenkt.

Auch Elia kam mir in den Sinn (1. Könige 19). Er findet Gott nicht im Sturm, nicht im Feuer, nicht im Beben, sondern im leisen Säuseln. Bevor er an den Eingang der Höhle tritt, verhüllt er sein Gesicht mit dem Mantel. Er wählt die Dunkelheit, um dem lebendigen Gott begegnen zu können.

In Jesus Christus darf ich Gottes Angesicht anschauen; ich muss meinen Blick nicht mehr verhüllen. Das ist Gnade. Und doch frage ich mich, ob ebendiese Selbstverständlichkeit und die vielen Ablenkungen meines Lebens es mir nicht schwerer machen als Elia, Gott mit ganzer Hingabe zu begegnen.

So ist mir die Dunkelheit, in die Gott sich hüllt, zu einem wohltuenden Ort geworden: Dort muss ich nichts leisten, dort lasse ich mich von ihm finden. Als ich am Ende dieser Meditation die Augen öffnete, war ich erfüllt von seiner Gegenwart. Seitdem liegt in Psalm 18,12 eine Kraft, in die ich mich immer wieder gerne fallen lasse.

Vielleicht ist dir dieser Zugang fremd. Das ist in Ordnung, denn jeder Mensch hat seine eigene Weise, auf der Gott ihn erreicht. Vielleicht aber dies: Gott begegnet uns auch in der Dunkelheit. Er macht sie zu seiner Hütte und erfüllt sie mit seinem Licht. Suche dir Räume, in denen dich nichts ablenkt. Womöglich findest du genau dort den lebendigen Gott, der dich mit seinem Licht beschenken will.

Wenn dich diese Meditation angesprochen hat, probiere es selbst. Fang klein an: Lies den Vers des Tages oder die Tageslosung und bleib danach fünf Minuten bei dem einen Wort, an dem du hängen geblieben bist, oder bei dem Bild, das dich nicht loslässt. Es gilt: Nichts erklären, nichts auslegen, sondern nur dabei bleiben. Übe das eine Weile, am besten drei- oder viermal in der Woche. Und wenn du irgendwann merkst, dass etwas in dir in Bewegung gerät, dann hast du einen Weg gefunden, auf dem Gott dir mitten im Alltag begegnet und dich reich beschenkt.

Ein Impuls von: Darius Müller, Pastor der FeG Jülich