»Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.« 5.Mose 30,14

Monatslosung Februar

Liebe Leserin und lieber Leser,

Mitte Januar des neuen Jahres war es wieder mal soweit. Eine Jury um ihre Sprecherin Prof. Dr. Nina Janich legte das „Unwort des Jahres 2017“ fest. Man einigte sich auf „Alternative Fakten“. In der Begründung hieß es: „Die Bezeichnung „alternative Fakten“ ist der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen.“ Zwar sei der Ausdruck nur aus dem US-amerikanischen Kontext und dort nur aus einem einzelnen Redebeitrag belegt: Die Trump-Beraterin Kellyanne Conway bezeichnete die falsche Tatsachenbehauptung, zur Amtseinführung des Präsidenten seien so viele Feiernde auf der Straße gewesen wie nie zuvor bei entsprechender Gelegenheit, als „alternative Fakten“. Der Ausdruck sei seitdem aber auch in Deutschland zum Synonym und Sinnbild für eine der besorgniserregendsten Tendenzen im öffentlichen Sprachgebrauch, vor allem auch in den sozialen Medien, geworden: „Alternative Fakten“ stehe für die sich ausbreitende Praxis, den Austausch von Argumenten auf Faktenbasis durch nicht belegbare Behauptungen zu ersetzen, die dann mit einer Bezeichnung wie „alternative Fakten“ als legitim gekennzeichnet werden.

Als ich vor kurzem mit einem Bekannten über dieses Phänomen sprach, meinte der, das sei doch mit dem christlichen Glauben auch so. Niemand könne belegen, dass an den Geschichten der Bibel irgendetwas stimme. Es gelte vielmehr, was der Philosoph Ludwig Feuerbach (1804-1872) gesagt habe: „Der Mensch schuf Gott nach seinem Ebenbild“.

Der christliche Glaube, das Wort Gottes oder das Evangelium von Jesus Christus alles nur „alternative Fakten“?

Nun ja, wissenschaftlich-empirisch nachweisbar ist Jesus Christus nicht. Aber das bedeutet ja im Umkehrschluss nicht, dass er nicht erfahrbar ist.

Niemand kann wissenschaftlich beweisen, dass ein Mann seine Frau liebt. Aber der Mann weiß es. Es ist ihm in seinem Herzen bewusst. Er muss es niemandem beweisen. Aber er kann davon sprechen und es tun. Auf seine und ihre Weise. Dann verstehen beide es.

Im Volk Israel war man sich auch nicht immer darüber im Klaren, ob das alles so stimmt, mit Gott. Ob er es wirklich gut meint mit seinem Volk. Oder ob seine Zusagen doch eher „alternative Fakten“ sind und er es doch irgendwann hängen lässt. Zwar hatte er einen Bund mit ihnen geschlossen, sie waren aber immer wieder voller Skepsis „rückfällig“ geworden und hatten sich von Gott abgewandt. Wie eine Partei, die ihrem Vorsitzenden erst mit hundert Prozent wählt und dann doch fallen lässt.

Glauben Sie an Gott? Glauben Sie seinem Wort, dass er der liebende Vater im Himmel ist, der uns mit offenen Armen empfängt? Der unserem Leben Liebe und Hoffnung geben will, Perspektive und Zukunft?

Vielleicht beantworten Sie ziemlich schnell diese Fragen mit ja. Das wäre schön! Und gleichzeitig kann es Zeiten im Leben geben, in denen unser Ja leiser wird. Zeiten, in denen wir Krisen erleben. Zeiten, in denen wir wenig selbstbewusst durchs Leben gehen. Zeiten, in denen uns das Wort Gottes, seine Verheißungen, wie leere Worthülsen vorkommen.

Dann spüren wir vielleicht, dass Trost und Zuversicht nicht aus uns selbst heraus kommen, sondern immer von außen. Das Heil liegt nicht in uns, es kommt von außen auf uns zu. Es liegt begründet in dem lebendigen Wort Gottes, Jesus Christus, auf den sich einzulassen wirklich lohnt. Dann machen wir die Erfahrung, dass das Wort des Monatsspruches wirklich lebendig wird:

»Es ist das Wort [von Gott] ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust.«

Es geht also ums Vertrauen. Dass das Evangelium keine „alternativen Fakten“ liefert, sondern das wirkliche Leben.

Diese Erfahrung wünsche ich Ihnen von Herzen

Ihr Pastor Rüdiger Franz.

 

(Kopf-Bild: Manuela Kühnert  / pixelio.de)