Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat! – 1. Petrus 4,10

Als ich vor ein paar Wochen in Vorbereitung auf eine Andacht diesen Vers für den Monat Mai gelesen habe, dachte ich: „Wow! Wir haben gerade in unserem Hauskreis (wir lesen den Römerbrief) darüber gesprochen, dass ein jeder mit seinen von Gott geschenkten Gaben seinen Mitmenschen dienen sollte. Das passt ja herrlich!“.

Und nun? Und nun sind wenige Wochen vergangen und die Welt um mich, um uns hat sich drastisch verändert. Karneval ist ins Land gezogen und kurz darauf der Coronavirus, der sich derzeit in unserer Welt verbreitet. Erst schleichend, dann immer schneller wurden die Auswirkungen im Alltag spürbar. Eine Situation, die sich für mich noch immer sehr surreal anfühlt, auch wenn sie mit jedem Tag ein Stück greifbarer wird – Realisierung braucht nun mal ihre Zeit.

Um dieser für eine Weile zu entfliehen, schnappe ich mir meine Nordic Walking Stöcke, entferne angesetzte Spinnweben und laufe los. Die frühen Sonnenstrahlen und die frische Luft begrüßen mich, Lobpreismusik erfüllt mein Herz und nährt meine Seele. Augenscheinlich ist alles normal. Meine Gedanken beginnen umherzuwandern, berühren Erinnerungen, schmieden Pläne, nehmen meine Umgebung wahr, registrieren die wenigen Menschen, die außer mir unterwegs sind. Beim Thema der Predigt des letzten Gottesdienstes, den ich besucht habe, bleiben sie hängen: „Vor den Füßen Jesu zur Ruhe kommen.“, gehalten von Aaron Stenzel in unserer Gemeinde zur Geschichte von Marta und Maria (Lukas 10,38-42). Jesus kehrt als Gast in das Haus dieser beiden Frauen ein. Die Schwestern verhalten sich gegensätzlich: Marta ist sehr geschäftig um ihren Gast zu bewirten, Maria setzt sich ihm zu Füßen und hört ihm zu. Marta beschwert sich bei Jesus über das Verhalten von Maria, sie fühlt sich mit all der Arbeit allein gelassen. Jesus nimmt sie ernst, sieht die Mühe, die sie sich macht, und spricht es auch ganz klar aus. Dennoch sagt er, Maria habe das gute Teil erwählt, es sei richtig und notwendig.

Um mich herum ist alles ruhig. Plötzlich fühle ich meine Marta in mir und rufe Gott innerlich all das zu, was gerade einfach falsch läuft: „Herr, der Frühling steht vor der Tür. Die Menschen sollten draußen sein! Die Spielplätze sollten voller Kinder, die Städte voller Menschen sein, fröhlich, lachend, in der Eisdiele, im Café. Wir sollten uns begegnen, Gespräche führen, Gemeinschaft haben, Sonne tanken! Stattdessen sollen wir zu Hause bleiben, Kontakte vermeiden. Begriffe wie Coronakrise, Ausgangssperre, Pandemie, Kontaktverbot prägen unseren Alltag. Das öffentliche Leben wird auf das Notwendigste beschränkt…“.

Ein befreiendes Gefühl und ich spüre, Gott hört zu. Mir wird klar, dass ER mich mit meinen Gefühlen genauso sieht wie Jesus Marta in ihrer Situation gesehen hat. Das gilt auch für dich. Gott sieht die Ängste und Sorgen jedes einzelnen, die die herrschende Krise mit sich bringt. Die Mitarbeiter, die von Kurzarbeit betroffen sind, ebenso wie diejenigen, die über ihr eigentliches Pensum hinaus arbeiten müssen, die Hilfebedürftigen und die Helfenden, die Kranken und die Gesunden, einfach jeden in seiner ganz persönlichen Situation. Diese Gewissheit lenkt meinen Blick auf Maria, die sich entschieden hatte, ruhig zu werden und zuzuhören. Und Gott lädt mich ein: Komm zu mir. Erzähle mir (weiter) was los ist.

Ich bin überzeugt, diese Einladung gilt jedem ganz persönlich. Gott fordert uns auf, die gewonnene Zeit zu nutzen. Sich zu seinen Füßen niederzulassen und Zeit mit ihm zu verbringen. Wut, Frust, Ärger im Bauch? Egal! Auch das will er hören. Es gibt nichts, was uns von Gottes Zuwendung trennen kann. ER hält alle Emotionen und Gedanken aus. ER hört zu, spendet Trost und schenkt Weisheit.

Vielleicht gibt es Themen, für die du sonst keine Zeit hattest, sie vor Gott zu bringen. Vielleicht tut es gut, einfach in seine Gegenwart zu treten und nur zu sein, nichts tun zu müssen. Die aktuelle Ausnahmesituation, fordert uns alle heraus. Daher möchte ich dir Mut machen, Gottes Einladung zu folgen und ihm dein Herz anzuvertrauen. Mut, diese Krise als Chance zu begreifen und die positiven Dinge darin zu erkennen. Alles im Leben hat seine Zeit (Prediger 3,1) und nichts geschieht ohne Grund. Vertraue auf den HERRN. In Psalm 37,5 sagt David: Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen. Eine Verheißung, die trägt und Hoffnung schenkt, die gilt. Immer.

Bleibt gesund!

Melanie Roderburg

 

 

(Kopf-Bild: S.Hofschlaeger  / pixelio.de)