»Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.«

Wochenspruch 1. Sonntag im Advent: Sacharja 9,9

Liebe Leserin und lieber Leser,

sind Sie schon auf Weihnachten eingestellt? Es ist doch jedes Jahr das Gleiche: Kaum ist der Sommer vorbei (wann war das eigentlich in diesem Jahr??), da kündigen sich die ersten Herbststürme an, das Laub wird bunt und man fragt sich, wann in diesem Jahr die rechte Zeit zum Aufziehen der Winterreifen ist. Und plötzlich steht Weihnachten vor der Tür…

Vielleicht ist das so bei Ihnen, vielleicht auch nicht. Ich will gar nicht einstimmen in die Kulturkritik, dass viel zu früh Nikoläuse, Spekulatius und Domino-Steine die Regale der Supermärkte bevölkern; schließlich regelt der Markt solche Dinge, also werd ich sie mir nicht kaufen. Aber dennoch beschleicht mich ein ungutes Gefühl, dass etwas nicht rund läuft, dass wir vielleicht etwas verpassen könnten, wenn wir für bestimmte geistliche Wahrheiten nur bei einer bestimmten jahreszeitlichen Stimmung offen sind. Konkret: Wenn das Wunder der Weihnacht ausschließlich gekoppelt an „Dezember“, „Schneesturm“ und „Tannenduft“ bei uns ankommt.

»Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.« – Als Christen glauben wir, dass sich diese alttestamentliche Verheißung in Jesus Christus, dem Sohn Gottes, erfüllt hat. Ein Glaube, mit dem viele Zeitgenossen nichts anfangen können. Das ist so schwer zu verstehen und noch viel schwerer, sich vorzustellen: Da ist ein Gott („König“) und der wird Mensch, kommt auf die Erde, UND KOMMT ZU MIR! Ausgerechnet ZU MIR!

Die Bibel bezeichnet diesen als einen Gerechten und einen Helfer. „Gerecht“ meint hier nicht in erster Linie unser „gerecht“ im juristischen Sinne. „Gerecht“ heißt im hebräischen Verständnis, dass da jemand absolut treu und zuverlässig ist. Treu und zuverlässig, das sind Eigenschaften, die nur dann zum Tragen kommen, wenn mir der Andere mindestens genauso wichtig ist, wie ich mir selbst wichtig bin. Treu und zuverlässig heißt, da steht jemand ganz zu mir, so wie es kein Mensch auf dieser Welt vermag. Gott zeigt das, in dem er „seine Wohnung“ im Himmel verlässt und auf diese kalte und dunkle Welt kommt.

Und so kommt Gott und sitzt mit im völlig überfüllten Boot der afrikanischen Flüchtlinge vor Lampedusa. Er hört das Schreien der Christen im Sudan, die während eines Gottesdienstes von islamistischen Terroristen überfallen werden. Gott sieht die Not der jungen Frauen aus der Ukraine, die sich im Westen ein besseres Leben erhoffen, und in die Fänge von Menschenhändlern geraten, die sie in die Prostitution verkaufen. Und er kommt und sitzt am Bett von dem Schuljungen, der, an Leukämie erkrankt, die letzten Wochen seines so kurzen Lebens in einem Kinder-Hospiz verbringt. Und Gott kommt auch als Treuer und Zuverlässiger in unser Leben. Auch und besonders in die Bereiche, die wir selbst nicht im Griff haben. Die uns Not machen. Wo wir es vielleicht mit uns selbst nicht mehr aushalten. Und die wir ganz bestimmt „vor der Außenwelt“ verborgen halten wollen.

»Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.« – Ja, so ist es. Lass es Dir zusagen: Dein König kommt zu dir. Nicht erst, wenn der Christbaum leuchtet. Er ist jeden Tag da. Im Sommer bei 30 Grad wie im November, wenn alles (normalerweise) trist und grau ist.

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, dass Sie in dem gerade begonnenen Kirchjahr jeden Tag erleben können: Gott ist da. Er lebt in Jesus, durch seinen guten Heiligen Geist in mir. Und ich wünsche dies uns als Gemeinde, dass wir erleben: Gott, unser König, der Gerechte und Treue, lebt und wirkt mitten unter uns.

Auch im Namen des Leitungskreises der Gemeinde wünsche ich Ihnen besinnliche Adventstage, ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr 2019!

Ihr Pastor Rüdiger Franz

 

 

 

(Kopf-Bild: Manuela Kühnert  / pixelio.de)