Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“
Hebräer 11,1 – Monatslosung Mai

Liebe Leserin und lieber Leser,

es gibt Texte in der Bibel, die möchte ich am liebsten umgehen. Die liegen mir so schwer im Magen, dass ich sie gerne mal außen vor lassen würde. Auch als langjährigem Christen und studiertem Theologen geht es mir so mit dem Monatsspruch für Mai. Ich bin nun fast 25 Jahre Prediger des Evangeliums, aber in meiner ganzen beruflichen Laufbahn habe ich über das Wort aus Hebräer 11 bisher weder eine Andacht noch eine Predigt gehalten. Warum eigentlich? Dieser Vers liest sich doch so schön und hat eine nicht zu verleugnende Aussage:

»Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.«

Schön und gut, heute stelle ich mich also diesem Wort in der Öffentlichkeit. Was macht die Aussage über den Glauben so herausfordernd? Nun, wenn ich das so lese, dann spüre ich, wie weit ich erfahrungsbezogen noch weg bin von dem, was hier gesagt wird.

Die Übersetzung von Martin Luther lässt den Schluss zu, dass die Qualität unseres Glaubens sehr von unserer Zuversicht im Leben und von unserem Nichtzweifeln abhängig ist. Das wiederum widerspricht aber vielen anderen Stellen in der Bibel, an denen deutlich wird, dass der Glaube nicht unser Werk ist, sondern immer Gottes Geschenk. Einerseits wartet Gott in jeder Lebenssituation auf unsere Entscheidung, ihm zu vertrauen. Anderseits trägt er durch, wo wir in Anfechtungen und Zweifeln sind und nicht weiterwissen.

Die Übersetzung der Guten-Nachricht-Bibel gibt hier eine, meines Erachtens, genauere Interpretation des griechischen Grundtextes wieder. Sie lautet:

»Glauben heißt vertrauen, und im Vertrauen bezeugt sich die Wirklichkeit dessen, worauf wir hoffen. Das, was wir jetzt noch nicht sehen: im Vertrauen beweist es sich selbst.«

Der Verfasser will offenbar den festen Grund benennen, der den Glauben trägt und der sich im unerschütterlichen Vertrauen der Glaubenden als dieser tragende Grund bezeugt. Konkret: Unser Glaube beruht auf der Haltung, dass Gott in jeder Situation unseres Lebens vertrauenswürdig ist, dass er uns einen guten und richtigen Weg führt. Und dieses Vertrauen ist das Fundament des Glaubens.

Genau das will ich leben. Sie auch? Ich finde, das ist wirklich sehr herausfordernd und spannend… Ja, mit Jesus Christus unterwegs sein, das ist extrem kurzweilig. Dazu lade ich Sie sehr herzlich ein!

Ich wünsche Ihnen (und mir auch!) gute Erfahrungen und Wachstum im Glauben.

Ihr Pastor Rüdiger Franz.

 

(Kopf-Bild: Manuela Kühnert  / pixelio.de)